Die diesjährige DTKV-Verbandsmeisterschaft der Kinder sollte eigentlich in Backnang stattfinden. Da DTKV-Vizepräsident Helmut Eisenmann hier jedoch keine Halle auftreiben konnte, wurde die Meisterschaft in der Nachbargemeinde Auenwald ausgetragen.
Noch größer und komplizierter war das Chaos bei uns im Vorfeld der Meisterschaft. Ursprünglich war eine Anreise am Wettkampftag geplant. Da dies vielen zu stressig war, machten wir uns bereits im Sommer für eine Anreise am Vortag mit Übernachtung in einer Jugendherberge stark, so wie es auch im Vorjahr in Lollar wunderbar klappte. Als nach den Sommerferien die Qualifikationen bekanntgegeben wurden, stellte sich heraus, dass ein Teil bereits eine Privatunterkunft gebucht hatte, ein anderer Teil gar nicht teilnehmen wird und der Rest mit mir und Manfred in der Jugendherberge übernachten würde. Die Jugendherberge Stuttgart, für die wir uns entschieden hatten, war jedoch bereits ausgebucht, genauso wie die im benachbarten Ludwigsburg. Die angespannte Situation veränderte sich beinahe täglich. Nach einer Unmenge von Telefonaten und E Mails organisierte uns Helmut Eisenmann eine Übernachtung im Hotel „Am Südtor“ im Backnang zu akzeptablen Preisen, so dass wenigstens ein Großteil des Teams eine gemeinsame Unterkunft mit gemeinsamen Essen hatte. Trotz des Chaos ließ sich das Team nicht unterkriegen. Irgendwie rauften wir uns alle wieder zusammen um an dieser Meisterschaft, die das Jahreshighlight darstellt, teilzunehmen.
Am Freitag, 07.12.2008 war es endlich so weit: 43 Teilnehmer, Eltern, Betreuer und Kampfrichter aus Pfarrkirchen und noch ungefähr genau so viele von anderen Dojos machten sich um 14.00 Uhr auf nach Backnang. Gefahren wurde in einem Doppeldeckerbus unseres altbekannten Busunternehmens mit M… Erstes Etappenziel war Reisbach, wo ein Teil der Gruppe auf uns wartete. Nach ca. 500 Meter Fahrt, fragte uns der Busfahrer:“ He hör mal, wie kömm isch denn hier in dieses Reisbach, isch könn mich hier öberhaupt nischt aus!“… Alte Erinnerungen an die Topolinofahrt 2007 wurden wieder wach... Trotzdem erreichten wir um ca. 19.30 Uhr unser Ziel. Das benachbarte Restaurant, das Helmut fürs Abendessen für uns reserviert hatte, war ein echter Geheimtipp. Nachdem wir gut gespeist hatten, kehrten wir in unser Hotel, das wir praktisch für einen Schnäppchenpreis bekommen hatten, zurück. Gefrühstückt wurde auf zwei Etappen. Als erstes waren wir Pfarrkirchner an der Reihe und dann der Rest. Als dann endlich alle (oder fast alle) im Bus waren und zur Halle fahren wollten, standen wir ca. 5 Minuten an der Straße und wussten nicht, ob wir links oder rechts fahren mussten. Als wir dann endlich unterwegs waren, erkundeten wir die landschaftlich reizvolle Gegend, bevor wir zur Halle nach Oberbrüden (Gemeinde Auenwald) fuhren. Oder, kurz gesagt, wir haben uns verfahren. Jedenfalls wartete der Rest des Teams schon auf uns. Zum Glück konnten wir die Listen bereits am Vortag kontrollieren, denn die vorhandene Zeit verbrachte ich bei der Organisation um die falsch oder gar nicht eingetragenen Starter richtig zu melden. Währenddessen verteilten Christoph, Matthias und Andreas die Startnummern und hielten die Aufwärmung.
Die Wettkämpfte begannen mit Kata Einzel der Unterstufe. Hier starteten Gelb- und Orangegurte in verschiedenen Gruppen, während die Gruppen in Kumite zusammengelegt wurden. Wie schon bei der Süddeutschen Meisterschaft in Eggenfelden, waren unsere Gelb- und Orangegurte (8. und 7. Kyu) sehr erfolgreich.
Bei den ganz kleinen Mädchen (Gelbgurt, Jahrgänge 2000/01) belegte Julia Huber, eines unserer beiden Nesthäkchen den ausgezeichneten 2. Platz in Kata Einzel.
Die 9jährige Jessica Wurm siegte mit einer traumhaften Vorstellung ihrer Heian Shodan bei den Gelbgurtlerinnen in ihrer Altersgruppe mit riesigem Vorsprung. Hauptkampfrichter Eisenmann schwärmte, dass es für jeden Kampfrichter eine Freude sei, eine solche Darbietung zu bewerten.
Einen Überraschungssieg erkämpfte sich die Orangegurtlerin Julia Ogon in der gleichen Altersgruppe in Kumite. Da hier Gelb- und Orangegurte zusammen starteten, war das Teilnehmerfeld riesig. Doch Julia lies sich nicht einschüchtern und besiegte Gegnerin für Gegnerin. Im Finale stand sie der Favoritin Annalena Schmoigl gegenüber. Auch hier behielt Julia die Nerven und holte sich verdient den Titel, der Julias erster Sieg überhaupt war. In Kata erreichte Julia das Finale und wurde 4.
Für eine weitere Sensation sorgte der 11jährige Matthias Jagdhuber, der bei den Gelb- und Orangegurten in seiner Altersgruppe in Kumite am Start war. Nach Platz 2 bei der Süddeutschen holte Matthias hier souverän den verdienten Titel.
Eine weitere Goldmedaille erkämpfte sich Jonathan Straßer im Kumitewettbewerb der Gelb- und Orangegurte der Jahrgänge 1998/99 nach einer kampfgeiststarken Leistung des jungen Pfarrkirchners.
Jürgen Aigner, der bei den 11 und 12jährigen Orangegurtjungen am Start war, schaffte in Kata Einzel souverän den Einzug ins Finale. Dort hatte Jürgen wie schon bei der Süddeutschen alles im Griff und holte den Titel.
Ganz klar wurde das Geschehen in Kata Einzel der 13 und 14jährigen Gelbgurtjungen dominiert. Von vier Startern schafften drei den Sprung ins Finale. Christian Eichinger hatte diesmal die Nase vorne und siegte vor Michael Sommer. Platz 4 ging an Felix Hackl. Außerdem war Simon Miedl mit dabei, der bei der Süddeutschen noch fürs aufgelöste Dojo Unterdietfurt antrat. In Kumite schafften es Michael Sommer und Felix Hackl bis ins Halbfinale, was für beide Bronze bedeutete.
Bei den 13 und 14jährigen Orangegurtmädchen hatte Janine Preissler wie schon bei der Süddeutschen ein leichtes Spiel mit der Konkurrenz. Die beiden Goldmedaillen der Pfarrkirchnerin waren nie wirklich in Gefahr. In Kata siegte Janine überlegen mit einer starken Heian Nidan und in Kumite konnte auch die fast zwei Köpfe größere Julia Weidlich nichts an Janines Sieg ändern.
Auch im Grün- und Violettgurtbereich (6. und 5. Kyu) konnten einige Siege bejubelt werden.
Martin Huber war in der Jahrgangsgruppe 1998/99 am Start und holte sich in Kata mit einer starken Heian Sandan verdient die Goldmedaille. In Kumite belegte der Pfarrkirchner den 3. Platz.
Für einen wahren Medaillenregen sorgten unsere drei Starter (Dominik Tenzer, Simon Haas und Christian Huber) bei den Jahrgängen 1996/97. In Kata Einzel und in Kumite erreichten alle drei die Finalrunde der besten vier. Bei Dominik Tenzer passte heuer alles, so dass er beide Titel holen konnte. In Kata siegte das 11jährige Riesentalent aus Brombach vor Teamkollegen Simon Haas aus Peterskirchen. Christian Huber komplettierte das starke Teamresultat mit Rang 4. Im Kumitefinale standen sich Dominik und Simon gegenüber. Dominik hatte am Ende die besseren Nerven und holte sich Titel Nr. 2. Christian scheiterte erst im Halbfinale gegen Simon und machte so den Dreifachsieg mit der Bronzemedaille komplett.
In der Parallelgruppe der Mädchen standen sich im Kumite-Finale Ellen Keßler und Ines Kalfier zum Xten Mal gegenüber, nachdem sie die gesamte Konkurrenz in dieser Hammergruppe besiegt hatten. Diesmal besiegte Ellen ihre Teamkollegin und Dauerrivalin Ines ganz knapp. In Kata verpassten beide den Einzug ins Finale.
Mit Daniel Lohr und Oliver Struckmeier hielten in der Gruppe der 13 und 14jährigen Jungen die Pfarrkirchner Fahne hoch. Daniel holte sich in Kata Einzel mit einer kraftvollen Heian Sandan Gold, und für Oliver Struckmeier reichte es für Bronze. In Kumite kämpfte sich der Oliver bis ins Finale durch, wo er sich den überraschend starken Halberstädter Richard Schlör geschlagen geben musste und somit Vizemeister wurde. Daniel belegte einen starken 3. Platz.
Bei den Mädchen holte sich die 13jährige Ulrike Huber Bronze in Kata Einzel. Ein Hauptkampfrichter, der Ulrike im Finale die laut Ausschreibung erlaubte Kata Heian Shodan untersagte, verhinderte eine bessere Platzierung. In Kumite scheiterte Ulrike im Halbfinale, so dass der überdurchschnittliche Trainingsfleiß der Wittibreuterin mit einer weiteren Bronzemedaille belohnt wurde.
Mit zwei Titeln zeigten auch unsere drei Violett- und Braungurte (4. und 3. Kyus), dass mit ihnen künftig zu rechnen ist.
Nach Platz 5 in Kata Einzel kämpfte sich René Hölzlwimmer bei den 11 und 12jährigen bis ins Finale durch. Auch hier konnte sich René mit einer kämpferisch starken Leistung durchsetzen und holte sich bei seiner sechsten Teilnahme den zweiten Titel in Kumite nach 2006.
In der Gruppe der 13 und 14jährigen belegten Manuel Weinfurtner und Patrick Hölzlwimmer, die ebenfalls bereits das sechste Mal und aufgrund der Altersgrenze auch das letzte Mal mit dabei sind, die Plätze 2 und 4. Noch besser lief es in Kumite. Hier ließ Manuel der gesamten Konkurrenz keine Chance und holte sich hochverdient den Titel. Patrick Hölzwlwimmer schaffte mit Platz 3 ebenfalls den Sprung aufs Podest.
Von den 20 Kata Teams der Süddeutschen konnten sich zehn für die Verbandsmeisterschaft qualifizieren.
In der Gruppe T1 (Jahrgänge 2000/01) waren Martin Huber, Julia Huber und Lena Fischer (PAN 10) rechtzeitig zur Meisterschaft in Topform und erkämpften sich verdient die Bronzemedaille.
Bei den 9 und 10jährigen (Gruppe T2) starteten zwei Pfarrkirchner Teams. Das Team PAN 4 mit Dominik Tenzer, Jonathan Strasser und Martin Huber sah im Vorlauf die Rote Fahne und schied auf Platz 6 aus. Das zweite Team PAN 12 (Jessica Wurm, Felix Müller und Matthias Eichinger) war punktgleich mit Berlin auf Rang 4 und musste um den Finaleinzug bangen. Im Stechen per Flaggenentscheid behielt unser Trio jedoch die Nerven und schaffte mit einer starken Finalkata den Sprung auf Platz 2.
Gleich drei Teams waren in der Gruppe T3 (11 und 12 Jahre) am Start. Zwei unserer Mannschaften schafften es ins Finale. Unser Dreamteam Lukas Heckensteiger, Daniel Lohr und Christian Huber (PAN 2) erkämpfte sich trotz ein paar Patzer Bronze vor PAN 9 (Dominik Tenzer, Simon Haas und Jürgen Aigner). Das Team PAN 5 (Ines Kalfier, Ulrike und Ramona Huber) belegte den 5. Platz.
Drei weitere Teams traten in der Gruppe T4 (Jahrgänge 1994/95) an. Hier dominierten erwartungsgemäß die Braungurtteams das Geschehen. Unser Team PAN 1 (Manuel Weinfurtner, Patrick und René Hölzlwimmer) erkämpfte sich nach einer starken Leistung die Bronzemedaille. Die weiteren Teams PAN 6 (Ellen Keßler, Janine Preissler und Ulrike Huber) sowie PAN 11 (Daniel Lohr, Michael Sommer und Christian Eichinger) scheiterten in der Vorrunde.
Auch das in der Sondergruppe T5/T6 für höhere Katas startende Team PAN 16 (Manuel Weinfurtner, Patrick und René Hölzlwimmer) verpasste mit Platz 5 den Einzug ins Finale.
Insgesamt erkämpfte sich unser Team 15mal Gold, 8mal Silber und 12mal Bronze sowie 5mal Platz vier, so dass wir den Titel des erfolgreichen Dojos vom letzten Jahr vor Gastgeber Backnang (10 Gold) und Lollar (8 Gold) erfolgreich verteidigen konnten. Auch die Ausbeute vom letzten Jahr mit 9mal Gold konnte noch mal überboten werden. Trotz des ganzen Chaos vor der Meisterschaft kann man also sagen: „Backnang war eine Reise wert!“
von Roland Hager |
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