Während sich Sturmtief „Emma“ in ganz Deutschland austobte, brachen 14 Karate-Kids mit Trainer und Eltern um 4.30 Uhr auf, um mit zwei Bussen und einen Auto nach Lollar zur Kodomo (Kinder) -Meisterschaft zu fahren. Nach fünf Stunden Fahrt durch Sturm, Regen, Schnee, Hagel und einer Pinkelpause 30 km vor Lollar (!) erreichten wir unser Ziel, die Sporthalle Süd, wo die 3. Kodomo Meisterschaft ausgetragen wurde. Obwohl wir trotz schwieriger Reisebedingungen fast pünktlich waren, begannen die Wettkämpfte aufgrund einiger Fehler in den Listen nach der gemeinsamen Aufwärmung mit einer kleinen Verzögerung.
Gestartet wurde in Kata Einzel mit den Gelbgurten. Da wir keine Gelbgurte hatten, konnten wir uns erstmal vom Reisestress erholen. Als dann die Orangegurte an der Reihe waren, durfte Jürgen Aigner ins Geschehen eingreifen. Der 10jährige Pfarrkirchner schlug sich mit seiner Heian Shodan nicht schlecht und schaffte den Einzug ins Finale, wo er sich die Bronzemedaille sicherte. Auch in Kumite zeigte Jürgen eine überzeugende Leistung, die mit Platz 4 belohnt wurde.
In der Gruppe der Grüngurte waren bei den Jungen drei und bei den Mädchen sogar fünf Pfarrkirchner am Start. Dominik Tenzer und Lukas Heckensteiger konnten sich nach zwei Vorrundendurchgängen als 3. und 4. fürs Kata-Finale qualifizieren, während Daniel Lohr bereits in der Vorrunde scheiterte. Bei den Mädchen schaffte lediglich Ellen Keßler den Sprung in die Endrunde. Für Sarah Kremsreiter, Ines Kalfier, Ulrike und Ramona Huber war der Kata-Wettkampf trotz guter Leistungen leider ebenfalls nach dem Vorkämpfen zu Ende.
An Spannung und Dramatik kaum zu überbieten waren die Kumitekämpfe der Jungen und Mädchen, die auf den beiden Kampfflächen parallel stattfanden. Nach ihrer Nullrunde in Kata machte sich Ines Hoffnungen, ihren Vorjahressieg in Kumite zu wiederholen. Leider machte ihr die Vorrundengegnerin Jenny Renz einen Strich durch die Rechnung. Nach einen vom Hauptkampfrichter unbemerkten Mae Geri aufs Knie konnte Ines zwar weiterkämpfen, verlor aber die Begegnung. Ramona Huber setzte sich gegen ihre Schwester Ulrike durch; auch Ellen und Sarah verließen die Kampffläche als Sieger.
„Das gibt’s nicht, das kann ja nicht sein“, dachten sich nicht nur Lukas und Daniel, als sie erfuhren, dass sie bereits in der Vorrunde gegeneinander antreten müssen. Am Ende setzte sich Lukas gegen seinen Teamkollegen durch. Da Dominik gegen den starken Jonas Zecher ausschied, war Lukas der einzige verbleibende Pfarrkirchner im Feld. Ähnlich wie Ines wurde auch Lukas vom Verletzungsteufel heimgesucht. Der nächste Gegner setzte alles daran, um Lukas beim Mae Geri mit Nagashi Uke zu fegen. Leider gelang ihm dies auch, so dass unser Lukas mit der rechten Hüfte zu Boden knallte. Da an ein Weiterkämpfen vorerst nicht zu denken war, unterbrach Hauptkampfrichter Claudiu Dinu den Kampf und zog eine andere Begegnung vor. Doch Lukas konnte und wollte jedoch weiterkämpfen, wandelte den Schmerz in Kampfgeist um und machte mit dem Übeltäter kurzen Prozess. Auch der nächste Gegner wurde vom Lukas regelrecht abgeschlachtet, wie man es vom großen Bruder Christoph gewohnt war. Erst im Finale musste sich der Oberreitzinger geschlagen geben, was immerhin Platz 2 für unseren tragischen Helden bedeutete.
Bei den Mädels fighteten Ramona und Sarah um den letzten freien Platz im Finale, den Ramona für sich behaupten konnte. Am Ende reichte es für Ramona zwar „nur“ für Platz 4, was aber ein toller Erfolg für die Wittibreuterin im stark besetzten Teilnehmerfeld ist. Souverän siegte Ellen im Halbfinale und hatte somit die Chance, die erste Goldmedaille fürs Dojo im Jahr 2008 zu holen. Die elfjährige Pfarrkirchnerin überzeugte die Kampfrichter mit kompromisslosen Angriffstechniken, einer fehlerlosen Verteidigung und perfekt sitzenden Kontertechniken, so dass ihre Gegnerin Jenny Renz, die immerhin Ines ausgeschaltet hatte, letztendlich chancenlos war.
Auch in Kata-Finale zeigte Ellen eine starke Darbietung, die mit Platz zwei belohnt wurde.
Völlig unerwartet, aber verdient sicherte sich Lukas Heckensteiger die Goldmedaille in Kata Einzel. Der 11jährige Grüngurtträger aus
Triftern ließ im Finale nichts anbrennen und demonstrierte im Gegensatz zur Konkurrenz eine fehlerlose Heian Nidan und stand am Ende als Sieger fest. Dominik Tenzer verpasste die Bronzemedaille ganz knapp und belegten Rang 4.
Bei den Violettgurtträgern erkämpfte sich Jakob Steinsiek wie schon bei der Deutschen Meisterschaft zwei Silbermedaillen in Kata Einzel und Kumite, während René Hölzlwimmer beide Male in der Vorrunde „hängen blieb“.
Zweimal Bronze holte sich Bianca Kalfier in Kata Einzel, wo sie die Katas Bassai Dai und Jion demonstrierte, und im Jiyu Ippon Kumite. In beiden Disziplinen siegte Junior-Dan-Trägerin Yvonne Högl trotz Grippe vor Michaela Wohlmut (beide Landshut).
Patrick Hölzlwimmer und Andreas Zauner traten bei den Jungen in der Braungurtklasse an. In Kata Einzel belegte Andi mit den Katas Heian Godan und Bassai Dai den 3. Platz und Patrick sicherte sich Rang 5. Anschließend starteten beide zum ersten Mal in Jiyu Kumite. Der stark agierende Andreas musste im ersten Kampf gleich einiges aushalten. Zweimal wurde er von Mae- und Yoko Geris getroffen und flog mit den Hintern zu Boden. Für einem Treffer aufs Kinn erhielt sein Gegner eine Verwarnung. Am Ende des Kampfes wurde Andi, der ohne Brille fast blind war von Hauptkampfrichter Claudiu aus Sicherheitsgründen aus dem Wettkampf genommen. Patrick, der ohne Brille anscheinend einiges mehr sah, als Andi, musste nicht ganz so viel einstecken, kämpfte dafür aber mit einen dicken, blauen Finger, den er sich im Wettkampftraining am Freitag geholt hatte. Als „Schmerzensgeld“ winkte am Ende Rang 4.
Wie im Vorjahr versprochen, wurden diesmal die Kata Teams aufgeteilt. Die Trennung erfolgte zwar nicht nach Jahrgang oder Gürtel, dafür aber nach Männlein und Weiblein.
Da viele „Stammathleten“ an der Meisterschaft nicht teilnehmen konnten (oder wollten), wurde die Mehrzahl unserer Teams erst in letzter Minute zusammengewürfelt, so dass sich die Trainingszeit auf ein Minimum reduzierte.
Die Jungen erkämpften sich die Plätze 2, 3 und 4. Silber ging an PAN 4 (Andreas Zauner, Patrick Hölzlwimmer und Jakob Steinsiek), Bronze an PAN 1 (Lukas Heckensteiger, Daniel Lohr, René Hölzlwimmer) und Platz 4 an PAN 5 (Dominik Tenzer, Jürgen Aigner und Lukas Heckensteiger).
Bei den Mädchen landete das beste Pfarrkirchner Team PAN 3 mit Ines Kalfier, Ulrike und Ramona Huber auf Rang 4. Bianca Kalfier, die sozusagen an Landshut ausgeliehen wurde, startete zusammen mit Yvonne Högl und Michaela Wohlmuth und durfte sich die Bronzemedaille umhängen.
Da die Wettkämpfe samt Siegerehrung schon um halb 5 zu Ende war und sich die Heimfahrt als weniger problematisch erwies als die Hinreise, waren wir trotz ausgiebiger Pause schon um 10 Uhr wieder daheim in Pfarrkirchen.
von Roland Hager
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