Wie schon im letzten Jahr, fand die Trofeo Topolino in ihrer mittlerweile 17. Auflage in Casale Monferrato (Piemont) statt. Auch dieses Mal konnte uns die doch recht große Entfernung von 750 km nicht von einer Teilnahme am größten europäischen Kinderturnier abhalten. Lediglich die Tatsache, dass die vom italienischen Verband „Federazione Italiana Karate Traditionale e Discipline Affini (FIKTA) organisierte Veranstaltung, die auch hierzulande längst Kultstatus genießt, heuer nicht in den Ferien abgehalten wurde, verhinderte, dass die Anzahl von 12 Teilnehmern von 2007 übertroffen wurde. Immerhin nahmen sieben Pfarrkirchner Kids, die aufgrund der Erfolge nominiert wurden, die Strapazen auf sich und entschieden sich für eine Teilnahme. Da es bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (nach der 2:1-Niederlage gegen Kroatien bei der Fußball-EM) los ging, mussten sich die Kinder am Freitag von der Schule beurlauben lassen. In zwei TuS-Bussen fuhr die 15köpfige Gruppe während eines länderübergreifenden Dauerregens in Richtung Brenner. Kurz nach Verona schockte uns schon mal ein Rotes Lämpchen, das im Opel-Bus aufleuchtete. Nach einer kurzen Pause konnte die Fahrt fortgesetzt werden und das Lämpchen erlosch. Gegen Mittag erreichten wir unser Ziel, das Hotel „Al Mulino“ in San Michele, einem Vorort der 90.000-Einwohner-Stadt Alessandria. Als die Zimmer bezogen waren und wir uns von der Fahrt erholt hatten, fuhren wir zum Mittagessen ins Zentrum von Alessandria, wo wir auch den Nachmittag verbrachten. Zurück auf dem Hotelparkplatz stellten wir fest, dass der zweite Bus fehlte. Kurz darauf läutete das Handy und Helmut Aigner, der Fahrer teilte mir mit, dass das Problem am Bus wieder aufgetreten ist und er bei der Opelwerkstatt in San Michele, ca. 500 Meter vom Hotel entfernt sei. Außerdem hat es im Bus furchtbar gestunken, so dass ein weiterfahren unmöglich war. Nach längerem Hin und Her konnten wir den Herren in der Werkstatt, die ungefähr so gut Deutsch und Englisch wie wir Italienisch sprachen, unser Problem schildern. Bald wurde klar, dass die Lichtmaschine hin ist und an eine Weiterfahrt nicht zu denken sei. Man teilte uns mit, dass sie das Teil auch nicht auf Lager haben, sondern es von Rom bestellt werden müsste und man am Samstag sowieso geschlossen habe. Außerdem war es mittlerweile kurz vor sieben und somit kurz vor Feierabend. Nach mehreren Telefonaten mit Sepp konnte der Auftrag zur Reparatur erst am Sonntag übers Hotel an die Werkstätte erteilt werden. Der Bus musste also zurückgelassen werden. Somit stand die Truppe vor mehreren Problemen: Wie kommen die Starter rechtzeitig zum Wettkampf ins ca. 30 km entfernte Casale Monferrato? Und wieder zurück? Wie kommt der Teil der Gruppe, der nur eine Übernachtung gebucht hat, am Samstagabend nach Hause? Und wie bekommen wir den Bus wieder nach Deutschland zurück? Übers Hotelpersonal, denen wir unser Problem auf Englisch schildern konnten, kontaktierten wir einige internationale Autovermietungen. Die waren jedoch sehr teuer und die Autos standen in Mailand oder Turin am Flughafen. Auch den Landshutern und Dingolfingern schilderten wir unser Problem. Unverrichteter Dinge gingen wir nach dem Abendessen ins Bett, denn ein langer Tag wartete auf uns.
Glücklicherweise stieß Karin Kalfier nach dem Frühstück bei einem Busunternehmer aus ihrem Bekanntenkreis auf offene Ohren. Nach mehreren Verhandlungen schilderten wir ihm den Ernst der Lage und konnten ihn davon überzeugen, sich noch am Vormittag in den Bus zu setzen und loszufahren, damit am Abend der Bus zur Heimreise bereit stehe.
Zum Wettkampfort musste der verbliebene Bus zweimal pendeln. Nach Ankunft im Palasport „Paolo Ferraris“, wo das von Walt Disney Italien gesponserte Turnier stattfand, wurden erstmal die Anmeldeformalitäten erledigt und eine kurze Aufwärmung abgehalten, bevor Gabriele Achilli, der Präsident der FIKTA das Turnier eröffnete.
Los ging’s um 10.30 Uhr mit der „Fascia B“, den Jahrgängen 1996 und 1997. Mit Christian Huber, Ines Kalfier, Dominik Tenzer und Jürgen Aigner waren gleich vier der insgesamt sieben Pfarrkirchner an der Reihe. Diese verteilten sich auf vier der acht Kampfflächen. Die Sieger wurden in zwei Durchgängen vor verschiedenen Kampfrichtern ermittelt. Beide Durchgänge wurden am Ende zusammengezählt, auf einen Finaldurchgang wurde verzichtet.
Der 11jährige Jürgen Aigner war in der Orangegurtgruppe am Start und zeigte in beiden Durchgängen eine saubere Heian Shodan. In der Endabrechnung belegte Jürgen, der zum ersten Mal mit dabei war, einen respektablen sechsten Platz.
Ines Kalfier, war bereits 2006 mit dabei und holte sich damals als Gelbgurtlerin die Bronzemedaille. In der Gruppe der Violettgurtträgerinnen zeigte sie die Katas Heian Shodan und Heian Sandan. Am Ende reichte es für den fünften Platz.
Für eine Überraschung sorgte der 12jährige Christian Huber, der heuer zum zweiten Mal Topolino-Luft schnuppern durfte. Vor allem im zweiten Durchgang konnte der Violettgurtträger aus Pfarrkirchen bei den Kampfrichtern mit der Kata Heian Sandan punkten und belegte den hervorragenden vierten Platz.
Dominik Tenzer, der zum dritten Mal in Folge am Start war, zeigte zweimal die Kata Heian Sandan und lieferte eine starke Leistung ab. Im ersten Durchgang lag der 11jährige Violettgurtträger noch auf Medaillenkurs. Erst im alles entscheidenden zweiten Durchgang rutschte der Brombacher wie im letzten Jahr auf den undankbaren vierten Platz ab und schlitterte ganz knapp an den Medaillenrängen vorbei.
Auch für den Landshuter Grüngurtträger und Topolino-Neuling Christian Stroka reichte es für keine Medaille.
Am Nachmittag waren die 13 und 14jährigen in der „Fascia C“ an der Reihe. Alle unsere Medaillenhoffnungen ruhten hier auf Manuel Weinfurtner. Rechtzeitig zu seiner vierten und letzten Teilnahme an der Trofeo Topolino war der Johanniskirchner in Topform. Nach zweimal „Blech“ am Vormittag hatten wir jetzt noch einmal die Chance, den ersten Tag mit einer Medaille zu beenden. Bereits 2006 holte Manuel Bronze, im letzten Jahr Platz 4. Das ganze Team stellte sich wohl die Frage, „schafft er’s oder schaffte er’s nicht?“ Den meisten Druck jedoch machte sich der Realschüler selber. Während der Mittagspause feilte Manuel immer wieder an seiner Heian Sandan und konnte den Einsatz kaum erwarten. Dann endlich war es soweit. Mit seiner kraftvollen und sauberen Demonstration konnte er im ersten Lauf die Kampfrichter überzeugen und lag sogar auf Goldkurs. Eine Medaille war also schon fast greifbar. Genau das aber hatten wir ja an diesen Tag schon mal gehabt. Auch im zweiten Durchgang behielt Manuel die Nerven und lieferte eine starke Kata ab. Die Wertung jedoch war niedriger als im ersten Turn. Endlich wurde das Ergebnis verkündet: SILBER!!! Wohl jedem Pfarrkirchner fiel ein Stein vom Herzen. Nach all den Strapazen und Ärger an den beiden Tagen doch noch ein positives Ende. Unglaublich. Das gesamte, mitgereiste Team freute sich. Nur Manuel nicht. Er wollte Gold. Erst als er die Silbermedaille von Gabriele Achilli überreicht bekam und auf dem Podium stand, konnte er sich über den 2. Platz freuen. Es war die vierte Topolino-Medaille insgesamt für unser Dojo. Und die erste in Silber seit 10 Jahren. Diese hatte Michaela Hager 1998 in Ferrara geholt.
Eine Wahnsinnsleistung lieferte auch Yvonne Högl aus Landshut bei ihrer letzten Teilnahme ab. Nach Gold im Vorjahr als Braungurt schaffte sie dieses Kunststück nun auch unter den Schwarzgurten. Mit Stefan Stroka war noch ein weiterer Schwarzgurtträger aus Landshut am Start, jedoch ohne ernsthafte Medaillenchancen. Die Dingolfingerin Tanja Kerscher holte sich bei den Braungurten einen starken 4. Platz. Glücklich und zufrieden kehrte die Mannschaft ins Hotel zurück.
Als unser Ersatzbus das Hotel erreichte, fuhren wir alle zusammen nach Lu Monferrato zur Pizzeria „La Trinita“ zum gemeinsamen Abendessen. Letztes Jahr wurde die Pizzeria, die in dieser Gegend ein echter Geheimtipp ist, durch Zufall von uns entdeckt. Da wir damals schon so fürstlich gespeist haben, suchten wir das Restaurant erneut auf und wurden nicht enttäuscht. Ein Teil der Gruppe machte sich nach dem Essen direkt auf den Nachhauseweg und kam in den frühen Morgenstunden in Pfarrkirchen an.
Am Sonntag läutete der Wecker bereits eine Stunde früher, denn schon um 9.00 Uhr gingen die Wettkämpfe der „Fascia A“ (Jahrgänge 1998 und 99) los. Hier waren die beiden Grüngurtträger Martin Huber und Leon Leypoldt am Start, jedoch auf zwei verschiedenen Kampfflächen. Beide belegten in ihren Gruppen den 5. oder 6. Platz, was angesichts des hohen Niveaus bei dieser Meisterschaft eine respektable Leistung ist.
Für eine Sensation sorgte Marco Schichler vom Dojo Sirnau bei Esslingen mit der zweiten Goldmedaille für den DTKV. Schon bei der Süddeutschen hatte der Gelbgurtträger den Titel in seiner mit 34 Teilnehmern stark umkämpften Gruppe geholt. Trainerin Raluca Rossi, die übrigens fließend italienisch spricht, konnte ihr Glück kaum fassen.
Anschließend hatten wir noch ein Kata-Team, welches sich in der internationalen Gruppe der Konkurrenz stellte. Das Trio mit Jürgen Aigner, Leon Leypoldt und Martin Huber wurde extra für dieses Turnier gebildet und verfügte in dieser Besetzung über keine Wettkampferfahrung. Umso erfreulicher war es, dass das Team nach dem ersten Auftritt punktgleich mit einem anderen Team auf Rang 3 lag. Leider fiel unser Team nach dem entscheidenden letzten Durchgang auf den undankbaren 4. Platz zurück und verpasste Bronze.
Mit einer Silbermedaille sowie drei 4. Plätzen im Gepäck, traten wir anschließend unsere Heimreise an. Gegen neun Uhr Abends waren wir dann zu Hause, was für die Kinder, die am nächsten Tag zur Schule mussten, noch akzeptabel war.
von Roland Hager |
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